Vorsicht vor Überdosierung: Bei MTX Indikation im Blick behalten
Dass Methotrexat (MTX) je nach Indikation unterschiedlich zu dosieren ist – tägliche Gabe in der Krebstherapie, wöchentliche Einnahme bei Autoimmunerkrankungen –, ist bekannt. Dennoch kommt es immer wieder zu versehentlichen Überdosierungen von MTX. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ) mahnt erneut, die jeweilige Indikation im Blick zu behalten und das Arzneimittel korrekt zu dosieren.
Der AKdÄ wurde ein aktueller Fall einer Patientin mit rheumatoider Arthritis gemeldet, bei der es nach dem Umzug in ein Seniorenheim versehentlich zu einer täglichen statt wöchentlichen Anwendung des Arzneimittels kam. 2020 wurde zudem über den Tod einer Patientin wegen einer Überdosierung von MTX berichtet.
Der Wirkstoff gehört zu den Zytostatika und wird unter anderem bei rheumatoider Arthritis, schweren Formen von Psoriasis vulgaris und bei onkologischen Erkrankungen wie der akuten lymphatischen Leukämie, eingesetzt. MTX besitzt entzündungshemmende, immunsuppressive und antineoplastische Eigenschaften und hemmt kompetitiv die Dihydrofolsäure-Reduktase. Als Folge wird ebenfalls die Synthese von DNA und RNA gehemmt, was die Vermehrung von Tumorzellen verhindert. Es kommt jedoch auf die korrekte Dosierung an. So soll MTX zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen einmal in der Woche angewendet werden, während in der Krebstherapie eine tägliche Dosierung erforderlich sein kann.
Überdosierung vermeiden: Apotheken sollen auf wöchentliche MTX-Einnahme hinweisen
Doch Dosierungsfehler können jederzeit auftreten, beispielsweise bei Aufnahme ins beziehungsweise Entlassung/Verlegung aus dem Krankenhaus, warnt die AKdÄ und mahnt zur Wachsamkeit. Um Überdosierungen von MTX zu vermeiden, sollte sich an die risikomindernden Maßnahmen des bereits 2019 veröffentlichten Rote-Hand-Briefes gehalten werden. Dabei kommen auch Apothekenteams ins Spiel:
- Patient:innen/Pflegekräfte sollten umfassende und eindeutige Anweisungen für die einmal wöchentliche Dosierung erhalten.
- Es sollte sichergestellt werden, dass Patient:innen/Pflegekräfte die Hinweise zur wöchentlichen Dosierung auch verstanden haben.
- PTA und Patient:in/Pflegekraft sollten gemeinsam einen Wochentag festlegen, an dem die MTX-Gabe erfolgt.
- Patient:innen sollten über die ersten Anzeichen einer Überdosierung wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Stomatitis informiert werden. Besteht der Verdacht einer Überdosierung sollten die Betroffenen umgehend ärztlichen Hilfe in Anspruch nehmen.
Weitere Maßnahmen sind deutlich sichtbare Warnhinweise auf der äußeren und inneren Verpackung sowie die Aktualisierung der Gebrauchs- und Fachinformationen. Zusätzlich stellt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Schulungsmaterial für Angehörige der Heilberufe sowie für Patient:innen bereit.
Achtung: Bei der Anwendung von MTX sollte außerdem an die dadurch verursachte Photosensitivität gedacht werden.
Das könnte dich auch interessieren
Mehr aus dieser Kategorie
Semaglutid und Co. senken Risiko für Leukämie
Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1)-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Liraglutid besitzen eine blutzuckersenkende Wirkung und sorgen für eine mit der Appetitzügelung verbundene Gewichtsregulierung. …
Erhöhtes Sterberisiko bei Mangel an Vitamin D
Besser zu wenig, als zu viel? Über Vitamin D beziehungsweise die Supplementierung des Sonnenvitamins wird immer wieder diskutiert. Doch nicht …
Bakterielle Vaginose: Partnerbehandlung entscheidend
Schätzungsweise jede dritte Frau ist von einer bakteriellen Vaginose betroffen – oftmals wiederkehrend. Um dies zu verhindern, kommt eine Partnerbehandlung …