Semaglutid und Co. senken Risiko für Leukämie
Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1)-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Liraglutid besitzen eine blutzuckersenkende Wirkung und sorgen für eine mit der Appetitzügelung verbundene Gewichtsregulierung. Und damit sind auch weitere positive Effekte verbunden. Demnach können GLP-1-Rezeptor-Agonisten unter anderem das Risiko für Leukämie senken.
Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Doch damit nicht genug. Denn die entsprechende Wirkung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten auf das Risiko für Leukämie und andere hämatologische Krebserkrankungen war dabei deutlich stärker als unter anderen Diabetes-Therapien wie mit Metformin oder Insulin.
Von vorn. Ein Team der Case Western Reserve University in Cleveland/Ohio hat Daten zu Patient:innen mit Typ-2-Diabetes aus der TriNetX-Datenbank analysiert. Während im ersten Schritt knapp 48.000 Personen gegenübergestellt wurden, die in einem Zeitraum zwischen April 2005 und Oktober 2023 entweder Insulin oder einen GLP-1-Rezeptor-Agonisten erhielten, wurden im zweiten Schritt rund 50.000 Menschen verglichen, die im selben Zeitraum entweder mit Metformin oder einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten therapiert wurden. Dabei wurde überprüft, ob und wie häufig innerhalb von 15 Jahren nach der Erstverschreibung entsprechender Arzneimittel hämatologische Krebserkrankungen wie Leukämie oder Lymphome auftraten.
GLP-1-Analoga wirken selektiv als GLP-1-Rezeptor-Agonisten – binden die Wirkstoffe an den Rezeptor, wird dieser aktiviert. Dadurch wird einerseits der Blutzuckerspiegel glucoseabhängig durch Stimulation der Insulinsekretion und Senkung der Glucagonsekretion gesenkt. Andererseits kommt es zu einer Appetitreduktion und damit einer geringeren Energieaufnahme.
Das Ergebnis
Verglichen mit beiden Standardtherapien bei Diabetes mellitus Typ 2 waren die untersuchten Diabetiker:innen seltener von hämatologischen Krebserkrankungen wie Leukämie oder Lymphomen betroffen, wenn sie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten therapiert wurden.
Die Forschenden führen dies unter anderem auf den Faktor der Gewichtsreduktion zurück. Denn ein erhöhtes Körpergewicht ist mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Krebserkrankungen verbunden. Da das Gewicht durch die entsprechenden Wirkstoffe wie Semaglutid und Co. deutlich gesenkt wird, verringert sich auch die Krebsgefahr, so ihre Schlussfolgerung. Hinzukommt eine immunmodulatorische Wirkung. Dabei geben die Wissenschaftler:innen zudem zu bedenken, dass der Effekt unabhängig von der Blutzuckerkontrolle zu sein scheint und womöglich auf die Reduktion proinflammatorischer Zytokine zurückzuführen ist, die an der Entwicklung entsprechender Erkrankungen beteiligt sind. Um die genauen Hintergründe der Rolle von GLP-1-Rezeptor-Agonisten in der Krebsprävention zu erklären, braucht es jedoch weitere, klinische Studien.
Übrigens: Auch das Darmkrebsrisiko kann unter GLP-1-Rezeptor-Agonisten sinken.
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