Seltene Fälle von Kapillarlecksyndrom: Kontraindikation für Vaxzevria
Rote-Hand-Brief Nummer vier für die Corona-Vakzine von AstraZeneca. Wie das Unternehmen informiert, erhält Vaxzevria eine neue Kontraindikation bei vorliegendem Kapillarlecksyndrom (CLS).
Der Corona-Impfstoff Vaxzevria wird, ebenso wie Covid-19 Vaccine Janssen, hierzulande von der Ständigen Impfkommission (STIKO) vor allem für Personen ab 60 Jahren empfohlen. Hintergrund ist das Auftreten sehr seltener Fälle von Thrombosen mit Thrombozytopenien nach der Impfung. In mehreren Rote-Hand-Briefen hat AstraZeneca bereits dazu informiert.
Nun erhält Vaxzevria eine neue Kontraindikation, und zwar bei Personen mit früherem Kapillarlecksyndrom. Wie der Hersteller in Abstimmung mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Europäsichen Arzneimittelagentur (EMA) bekanntgibt, seien in den ersten Tagen nach der Immunisierung mit der Corona-Vakzine sehr seltene Fälle des Kapillarlecksyndroms berichtet worden, wovon einer einen tödlichen Ausgang hatte.
Die geschätzte Berichtsrate liege laut Unternehmen bei einem Fall auf fünf Millionen verabreichte Impfdosen. Bei einigen dieser Fälle sei laut dem aktuellen Rote-Hand-Brief eine „Vorgeschichte von CLS in der Anamnese“ festgestellt worden. Daher sei die Vakzine für Patient:innen mit einer entsprechenden Diagnose nun kontraindiziert. Damit folgt das Unternehmen der Empfehlung der EMA, die bereits am 11. Juni zu dieser Kontraindikation sowie einer Anpassung der Produktinformation geraten hatte, nachdem sechs Fälle von CLS nach der Impfung beobachtet wurden.
Neben der Kontraindikation für Vaxzevria weist AstraZeneca darauf hin, dass Personen, die nach der Impfung eine akute CLS-Episode haben, eine unmittelbare Diagnose sowie entsprechende Behandlung benötigen. „Eine intensivmedizinische unterstützende Therapie ist in der Regel angezeigt.“
Was ist CLS? Generell handelt es sich beim Kapillarlecksyndrom um ein seltenes Phänomen, genauer um eine Entzündungsreaktion. Dabei gelangt unter anderem Flüssigkeit mit Blutplasma und Plasmaporteinen aus den Kapillargefäßen in den Zellzwischenraum. Die Folgen zeigen sich in Form von Schock, Eindickung des Blutes, Hypoalbuminämie und Organversagen. „Die Patienten könnten unter einer rasch fortschreitenden Schwellung der Arme und Beine, einer plötzlichen Gewichtszunahme und Schwächegefühl aufgrund eines niedrigen Blutdrucks leiden“, heißt es im Rote-Hand-Brief. Bisher seien in der Literatur weltweit erst weniger als 500 Fälle von CLS berichtet worden, wobei einige davon durch Covid-19 ausgelöst wurden.
Erst kürzlich informierte AstraZeneca darüber, dass Vaxzevria für Zweitimpfungen kontraindiziert ist, wenn bei Impflingen nach der Erstimpfung eine Thrombose und/oder Thrombozytopenie festgestellt wurde.
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