Ozanimod: Neu bei Multipler Sklerose
Ozanimod ist seit dem 15. Juli 2020 eine neue Behandlungsoption in der Erstlinientherapie der schubförmigen-remittierenden Multiplen Sklerose. Der Sphingosin-1-Phosphat (S1P)-Rezeptor-Modulator ist als Zeposia (Bristol-Myers Squibb) auf dem Markt.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems – Rückenmark und Gehirn können betroffen sein. Heilbar ist MS nicht, allerdings können der Verlauf verlangsamt und die Symptome gemindert werden. Die körpereigenen Abwehrzellen greifen die Myelinscheide der Nervenfasern an. In der Folge ist die Weiterleitung von Nervenimpulsen gestört. Es kommt zu einem Entzündungsprozess, der als Schub für die Betroffenen spürbar ist. Die ersten Symptome der Autoimmunerkrankung treten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Weltweit sind etwa zwei Millionen Menschen betroffen.
Indikation
Ozanimod wird zur Behandlung von Erwachsenen mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS) mit aktiver Erkrankung, die durch klinische oder bildgebende Befunde definiert ist, angewendet. Zeposia hat am 20. Mai 2020 die EU-Zulassung erhalten.
Dosierung
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 0,92 mg Ozanimod. Zeposia ist als Kapsel auf dem Markt und wird einmal täglich zu einer Mahlzeit oder unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen. Die Behandlung wird mit 0,23 mg Ozanimod einmal täglich von Tag 1 bis 4 gestartet. An den Tagen 5 bis 7 werden 0,46 mg eingenommen und ab dem achten Tag wird schließlich die Behandlung mit der empfohlenen Tagesdosis von 0,92 mg fortgesetzt.
Eine Überwachung der Erstgabe wird nur für Hochrisikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen des Herzens empfohlen. Ob eine kardiale Vorerkrankung vorliegt, ist vor Therapiebeginn per Elektrokardiogramm (EKG) abzuklären. Zu Behandlungsbeginn kann es zu einer vorübergehenden Abnahme der Herzfrequenz und einer Verlangsamung der atrioventrikulären Erregungsleitung kommen.
Wirkung
Ozanimod ist ein S1P-Rezeptormodulator. Das Immunsuppressivum bindet selektiv an die Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptorsubtypen 1 und 5. Ozanimod verursacht eine Lymphozytenretention in lymphoiden Geweben. Der genaue Wirkmechanismus bei MS ist nicht bekannt, vermutet wird eine Verringerung der Lymphozytenmigration in das ZNS.
Nebenwirkungen
Zu den sehr häufig unter Ozanimod auftretenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehören Nasopharyngitis und Lymphopenie. Außerdem sind Virusinfektionen der Atemwege, Harnwegsinfekte, Bradykardie und Hypertonie mögliche häufig auftretende Nebenwirkungen.
Kontraindikation
- Immunschwäche
- schwere aktive Infektionen, aktive chronische Infektionen wie Hepatitis und Tuberkulose, aktive maligne Erkrankungen
- schwere Leberfunktionseinschränkungen
- Patienten, die in den vorangegangenen sechs Monaten einen Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris, Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke (TIA), dekompensierte Herzinsuffizienz mit erforderlicher stationärer Behandlung oder Herzinsuffizienz hatten
- Patienten mit anamnestisch bekanntem oder aktuell vorliegendem atrioventrikulären (AV) Block 2. Grades, Typ II, oder AV-Block 3. Grades oder Sick-Sinus-Syndrom, es sei denn, der Patient trägt einen funktionierenden Herzschrittmacher
- während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Methode zur Empfängnisverhütung anwenden
- Patienten mit Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil
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