Nackenschmerzen – auch eine Frage der Psyche?
Bei einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020 gaben 45,7 Prozent der Befragten an, innerhalb der vorherigen zwölf Monate an Nackenschmerzen gelitten zu haben. Kein Wunder also, dass auch in der Apotheke häufig nach Schmerzmitteln oder Alternativen zur Behandlung von Nackenschmerzen gefragt wird. Doch ist die Ursache tatsächlich immer mit herkömmlichen OTC-Präparaten zu beheben oder könnten die Schmerzen auch psychisch bedingt sein?
Dass es sich bei Nackenschmerzen um ein weit verbreitetes Problem handelt, ist den meisten PTA durch den Berufsalltag sehr bekannt. Meist liegt dem Schmerz auch keine gravierende Ursache zugrunde und er verschwindet, mit der richtigen Behandlung und ein wenig Bewegung, innerhalb weniger Tage wieder. Hoch im Kurs stehen hier vor allem schmerz- und entzündungshemmende nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur systemischen oder lokalen Anwendung. Aber auch wärmende Pflaster und Salben sind gefragt.
Ein Verweis an eine Arztpraxis ist vor allem dann nötig, wenn die Nackenschmerzen durch einen Unfall oder einen Sturz ausgelöst wurden. Gleiches gilt für das Auftreten von Fieber oder Lähmungserscheinungen. Eine Linderung der Schmerzen kann unter anderem eine stetige, sanfte Bewegung der verspannten Muskulatur bringen. Kontraproduktiv ist hingegen das Ruhigstellen und das Einnehmen einer Schonhaltung. Wenn aber trotz Behandlung und Bewegung keine Besserung eintritt, können auch psychische Ursachen die Nackenbeschwerden auslösen.
Stress und Angst als Ursachen?
Stress führt zu einer Anspannung der Muskeln und fördert so muskuläre Dysbalancen und Fehlhaltungen. Dies wiederum verschlimmert die Schmerzen im Nacken und im oberen Rücken. Die Verspannungen können so chronisch werden und langfristig zu Beschwerden und Bewegungseinschränkungen führen. Häufig kommt es auch zu einer Unterdrückung der negativen Gedanken und dem Druck die Schmerzen aushalten zu müssen, um weiter arbeiten zu können. Ebenfalls zu Verspannungen können Überlastungsgefühle, das Erleben von Rückschlägen, Konflikte mit Kolleg:innen, Ängste, Unzufriedenheit und fehlendes Selbstvertrauen führen.
Ein elementares Mittel zur Verbesserung der Situation ist das Aufsuchen professioneller Hilfe durch eine psychologische Behandlung. Bei Konflikten oder Stress und Anspannung bei der Arbeit sollte das offene Gespräch mit den Kolleg:innen gesucht werden. Es ist wichtig, die belastenden Faktoren bestmöglich zu klären, beziehungsweise zu vermeiden, um die Beschwerden zu lindern. Ebenfalls wichtig ist die unterstützende Behandlung mittels Physiotherapie, um die verspannte Muskulatur wieder zu lockern und eine nachhaltige Besserung zu erzielen.
Können Depressionen Nackenschmerzen auslösen?
Ja, denn Depressionen und Nacken-/Rückenschmerzen können sich gegenseitig bedingen. Depressive Patient:innen haben oft einen verminderten Antrieb, sind schnell müde und erschöpft und vernachlässigen ihre Interessen. Daraus folgt ein Bewegungsmangel, der Muskelverspannungen und somit Schmerzen nach sich ziehen kann. Die höhere Empfänglichkeit für Schmerzen, die mit einer Depression einhergeht, führt zu weiterer Schonhaltung und noch weniger Bewegung. Zudem wird die Depression durch chronische Schmerzen verschlimmert. Es entwickelt sich also ein Kreislauf, der unbedingt unterbrochen werden muss, um eine Beschwerdefreiheit zu erlangen.
Depressive Patient:innen mit Nackenschmerzen sollten Rücksprache mit ihrem/ihrer behandelnden Arzt/Ärztin halten, um die Linderung der Probleme zu erreichen. Eine Anpassung der Medikation oder das Verordnen von Therapien können hier bereits viel bewirken. Empfehlenswert ist auch die Pflege sozialer Kontakte und die Ablenkung von den Schmerzen durch andere Tätigkeiten. Dies ist allerdings für Betroffene nicht immer einfach, da die Depression häufig auch eine Isolation mit sich bringt.
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