Melatonin-Konzentration durch NEM bis zu 100-fach erhöht
Der Markt mit Melatonin-Präparaten boomt. Doch die Einnahme ist mit Gefahren verbunden. Denn anders als vielfach behauptet, sind Nahrungsergänzungsmittel (NEM) mit Melatonin keine „sanfte Einschlafhilfe“, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einem aktuellen Podcast.
Dabei wird vor allem vor freiverkäuflichen Präparaten gewarnt, die teilweise deutlich höhere Melatonin-Dosierungen – bis zu 10 mg – enthalten als Rx-Arzneimittel. In letzteren ist das Schlafhormon zugelassen zur kurzzeitigen Behandlung von primären Schlafstörungen, wenn Schlafhygiene-Maßnahmen nicht ausreichen, sowie bei Kindern und Jugendlichen im Alter, die unter Autismus-Spektrum-Störungen oder einer schweren genetischen Erkrankung leiden.
NEM mit Melatonin werden oft als „sanfte Einschlafhilfe“ gehypt. Doch entsprechende Präparate sind nicht so harmlos, wie oft angenommen. Der Grund: „Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, es unterliegt einem Regelkreis und wenn wir in diesen Regelkreis eingreifen, indem wir Melatonin von außen zuführen in den Körper kann es eben Auswirkungen auf unseren Schlaf-Wach-Rhythmus haben“, heißt es von den Expert:innen.
Zur Erinnerung: Das Schlafhormon wird aus Serotonin produziert und bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Epithalamus ausgeschüttet. Die Konzentration ist in der Mitte der Nacht am größten und nimmt bis in den Morgen und im Alter ab.
NEM mit Melatonin: Einfluss auf Schlafrhythmus
Konkret wird die körpereigene Melatonin-Konzentration – je nach Dosierung – um das 10- bis 100-Fache erhöht. Insbesondere die längerfristige, unkontrollierte Einnahme kann den Schlafrhythmus nachhaltig beeinträchtigen, weil es zu einer Phasenverschiebung kommen kann, bei der die Melatonin-Produktion verfrüht beginnt. Weil diese – sowohl in Sachen Zeitpunkt als auch Höhe – individuell unterschiedlich ist, sei es zudem schwierig, „mit einer Einheitsdosis den Schlaf beeinflussen zu wollen.“
Auch an Nebenwirkungen denken
Hinzukommen Nebenwirkungen. So wurde von Patient:innen in Studien über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Albträumen, einer verringerten Körpertemperatur sowie der Abnahme der Aufmerksamkeit und der Reaktionsfähigkeit unter der Einnahme von Melatonin-haltigen Produkten berichtet. Während bei Rx-Präparaten auf entsprechende unerwünschte Wirkungen hingewiesen werde, sei dies bei NEM meist nicht der Fall. Ähnlich verhalte es sich hinsichtlich Wechselwirkungen. Bei der Kombination von Melatonin mit einigen Antibiotika, Antidepressiva sowie Östrogen-haltigen Präparaten wie der Pille sei demnach Vorsicht geboten.
Auch ein Einfluss auf die Blutzucker-Regulation war in Studien festzustellen, konkret ein Anstieg des Blutzuckerspiegels bei verringerter Insulin-Ausschüttung. Daher müssten Menschen mit Diabetes oder einem erhöhten Risiko dafür wachsam sein. Besser Finger weg heißt es zudem bei Personen mit Leber-, Nieren- oder Autoimmunerkrankungen, Epilepsie sowie bei Kindern, Schwangeren und Stillenden.
Übrigens: Auch Stiftung Warentest hat bereits vor einiger Zeit davor gewarnt, Melatonin-Präparate auf eigene Faust einzunehmen.
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