Immer mehr Schwangere sind zu dick
Deutschland ist zu dick. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind hierzulande zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig. Auch Schwangere sind zu dick und werden zunehmend übergewichtig oder adipös, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mitteilt.
Immer weniger Erwachsene haben Normalgewicht. Und das ist ein Problem, denn die Extrakilos bergen gesundheitliche Risiken. So kann beispielsweise Übergewicht in der Schwangerschaft zu verschiedenen Komplikationen bei Mutter und Kind führen. „Adipositas in der Schwangerschaft ist für die werdende Mutter unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Gestationsdiabetes, Hypertonie und Präeklampsie verbunden und mit einem erhöhten Geburtsgewicht sowie einem späteren Übergewichtsrisiko des Kindes assoziiert. Eine zu hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht auch das Risiko des Kindes für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und das Metabolische Syndrom“, sagt Professor Dr. Helmut Heseker von der Universität Paderborn.
Viele Schwangere sind zu dick
Schon bei der Erstuntersuchung sind viele Schwangere zu dick – 2017 waren es fast 40 Prozent, 2007 zum Vergleich 34 Prozent. Unterschiede gibt es beim Alter, denn Daten zeigen, dass ältere Frauen zu Beginn der Schwangerschaft häufiger übergewichtig sind als jüngere. „Das hat Folgen für Mutter und Kind“, sagt Prof. Dr. Heseker.
Wie viel dürfen Schwangere zunehmen?
Empfohlen ist eine Gewichtszunahme in der Schwangerschaft von 10 bis 16 kg. Übergewichtige sollten maximal zehn zusätzliche Kilos drauflegen. Essen für zwei? Der Energiebedarf von Schwangeren wird häufig noch deutlich überschätzt. Für normalgewichtige Frauen, die während der Schwangerschaft aktiv sind, gilt: Der Energiebedarf erhöht sich ab dem vierten Monat um täglich 250 kcal und ab dem siebten Monat um 500 kcal.
Übergewichtige Schwangere sollten zwar ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen, allerdings nur in Absprache mit dem Arzt. Von Diäten wird während der Schwangerschaft abgeraten, da ein Gewichtsverlust eine Gefahr für das ungeborene Kind sein kann.
Dicke Mutter, dickes Kind?
Mit steigendem Gewicht nimmt auch das Risiko für Mutter und Kind zu, denn Babys von übergewichtigen Frauen können schwerer und größer als die Babys von normalgewichtigen Frauen sein – das kann die Geburt erschweren. Die Zahl der Kaiserschnitte liegt bei adipösen Frauen höher. Aber auch das Risiko für Missbildungen beim ungeborenen Kind liegt bei adipösen Frauen statistisch höher – auch weil Untersuchungen wie ein Ultraschall erschwert sind. Hinzu kommt, dass das Risiko für Fehlgeburten bei Frauen mit einem Body-Mass-Index größer 40 hoch ist.
Bei den Säuglingen zeigt sich ein leichter Trend zu einem geringeren Geburtsgewicht. Der Anteil an Neugeborenen mit einem sehr hohen Geburtsgewicht von > 4.500 g ist seit den 1990er Jahren von etwa 1,6 Prozent über 1,4 Prozent in 2007 auf 1,2 Prozent in 2017 zurückgegangen. In der Altersgruppe der drei- bis 17-Jährigen in dem Zeitraum 2014 bis 2017 liegt die Prävalenz von Übergewicht inklusive Adipositas bei 15,4 Prozent, die von Adipositas bei 5,9 Prozent. Aus über der Hälfte der drei- bis sechsjährigen Kinder mit Übergewicht oder Adipositas werden übergewichtige oder adipöse Jugendliche.
„Die weltweite Epidemie von Übergewicht und Adipositas stellt Deutschland weiterhin vor große Herausforderungen“, resümiert Prof. Dr. Heseker und betont: „Maßnahmen für die frühzeitige Prävention im Bereich der Ernährung, der körperlichen Aktivität und Lebensstiländerungen müssen weiter im Fokus stehen, um ernährungsmitbedingte Krankheiten sowie die damit verbundenen sozialen und ökonomischen Folgen einzudämmen. Normalgewicht vor und in der Schwangerschaft ist ein entscheidender Faktor für die Gesundheit von Mutter und Kind.“
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