Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern: Lebensstil als Risikofaktor
Eine Familie zu gründen, ist für viele Paare der größte Wunsch. Doch nicht immer kann dieser auch erfüllt werden. Hierzulande ist demnach etwa jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos. Häufig sind Fertilitätsprobleme der entscheidende Faktor. Und diese betreffen nicht nur Frauen. Welche Risikofaktoren bei Männern für Furchtbarkeitsstörungen sorgen können, erfährst du von uns.
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann verschiedene Ursachen haben. In etwa 40 Prozent der Fälle sind Unfruchtbarkeit oder Fruchtbarkeitsprobleme des Mannes die Ursache, die in der Regel mit einer eingeschränkten Spermienproduktion beziehungsweise -qualität verbunden ist, sodass diese nicht für eine Befruchtung der weiblichen Eizelle genügt. Unterschieden wird zwischen:
- Oligozoospermie = zu wenige Spermien werden produziert (Quantität)
- Azoospermie = keine Spermien im Ejakulat (Quantität)
- Teratozoospermie = zu wenige normal geformte Spermien werden produziert (Qualität)
- Asthenozoospermie = motilitätsbeschränkte Spermien werden produziert (Qualität)
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt, als Richtwerte für eine normale Spermienproduktion, dass sich mindestens 39 Millionen Spermien im Ejakulat beziehungsweise 16 Millionen pro Milliliter Ejakulat – davon mindestens 4 Prozent normal geformte und 42 Prozent bewegliche – befinden sollten.
Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern: Lebensstiländerung kann Abhilfe schaffen
Die Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern können genetische Aspekte, aber auch hormonelle Störungen oder verschiedene Erkrankungen sein. Neben pathologischen Gründen spielt jedoch auch der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Laut Expert:innen gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren:
- Übergewicht: Ein Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kann das Risiko für Oligozoospermie und Azoospermie erhöhen. Hinzu kommt, dass verstärkte endokrine und proinflammatorische Aktivitäten die Gefahr für Hodenfunktionsstörungen steigern. Auch Einflüsse von Übergewicht auf die Spermienqualität werden diskutiert.
Achtung: Auch starkes Untergewicht (BMI unter 18,5) kann zu Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern führen. - Ernährung: In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, Vitamin D und Folsäure – beispielsweise über Fisch, Hühnchen, Gemüse, Getreide und Co. – sowie arm an gesättigten Fettsäuren ist, die Spermienqualität verbessern kann. Demgegenüber können Kaffee, Alkohol, Süßigkeiten und Vollmilchprodukte Teratozoospermie und Asthenozoospermie begünstigen.
- Bewegung: Sowohl zu wenig als auch zu viel Bewegung beziehungsweise sportliche Aktivität kann negativen Einfluss auf die Spermienqualität und -quantität haben. So können beispielsweise zu intensive Trainingseinheiten den Spiegel des Luteinisierenden Hormons senken, das zur Reifung und Bildung von Samenzellen beiträgt.
- Arzneimittel: Bestimmte Arzneimittel können sich ebenfalls auf die Spermienproduktion auswirken – sowohl in Sachen Quantität als auch Qualität. Dazu gehören beispielsweise Blutdrucksenker wie Betablocker oder Calciumantagonisten, Antidepressiva, Antiepileptika, Diuretika, Antibiotika, Immunsuppressiva, Krebsmedikamente, Opiate sowie illegale Drogen. Die Einnahme von Anabolika kann für ein Erliegen der Spermienproduktion sorgen, weil sie die körpereigene Hormonproduktion in der Hirnanhangdrüse und den Hoden hemmen.
Weitere bekannte Risikofaktoren sind Stress, Umweltfaktoren wie Lebensmittelzusätze, Schadstoffbelastung oder Weichmacher, sowie das Alter. Werden diese reduziert oder komplett vermieden, kann sich die Fruchtbarkeit Expert:innen zufolge wieder signifikant verbessern und so die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Befruchtung steigen. Stellt sich keine Besserung ein, ziehen viele Paare eine künstliche Befruchtung in Betracht. Was du dazu wissen solltest, erfährst du hier.
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