ASS kann SARS-CoV-2-Replikation hemmen
Acetylsalicylsäure (ASS) besitzt entzündungshemmende, fiebersenkende und schmerzlindernde Eigenschaften – so weit, so bekannt. Dass ASS die Replikation von SARS-CoV-2 hemmen kann, haben Forschende untersucht.
In hohen Konzentrationen wirkt ASS antiviral gegen Rhino- und Influenzaviren. Ob der Wirkstoff und sein Metabolit Salicylsäure auch die Replikation des Coronavirus hemmen können, haben Katherina Sewald und ihr Team gemeinsam mit Forschenden der Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersucht, und zwar in Zellkulturen und auch in menschlichen Präzisionslungenschnitten. Die Virusreplikation wurde mittels RT-qPCR analysiert.
Hemmung von SARS-CoV-2: Salicylsäure vor ASS
Das Ergebnis: Beide Substanzen konnten zwar SARS-CoV-2 nicht daran hindern, in die Zellen einzudringen, führten aber nach 24 Stunden zu einer geringeren viralen RNA-Expression – was darauf hindeutet, dass von ASS und Salicylsäure Post-Entry-Wege des Coronavirus gehemmt werden. Konkret werden Replikationsschritte vor oder während der Genexpression von SARS-CoV-2 durch das nicht-steroidale Antirheumatikum (NSAR) gestört.
ASS und Salicylsäure hemmten die virale Replikation auf zelltypspezifische Weise signifikant um etwa die Hälfte, so die Forschenden. Allerdings zeigen sich Unterschiede: Salicylsäure konnte die Virusreplikation (Faktor 100) von SARS-CoV-2 stärker hemmen als ASS (Faktor 10).
Ob die Ergebnisse der in-vitro-Untersuchungen auch auf Patient:innen übertragen werden können und Salicylsäure und ASS die Viruslast von SARS-CoV-2 bei Betroffenen senken können, muss in prospektiven klinischen Studien weiter untersucht werden.
ASS hemmt in geringer Dosierung irreversibel die Thrombozytenaggregation durch Acetylierung der Cyclooxygenase. In der Folge kommt es zu einer Hemmung von Thromboxan-A2 in den Blutzellen. In höheren Dosierungen überwiegt die schmerzstillende Wirkung. ASS gehört zu den nicht-steroidalen-Antirheumatika (NSAR) und hemmt die Cyclooxygenase-1 (COX). Vorsicht ist bei der Kombi mit Ibuprofen geboten. Denn die Arzneistoffe konkurrieren um die Rezeptoren. (Gleiches gilt für Naproxen und ASS.) Wird Ibuprofen zeitlich versetzt vor ASS eingenommen, besetzt der Wirkstoff die Rezeptoren. Der Thrombozytenaggregrationshemmer kann nicht mehr andocken und dessen ausreichende Wirkung bleibt aus. Der Schutz vor Herzinfarkt oder Schlaganfall ist verringert. Daher sollte ASS mindestens eine halbe Stunde vor oder acht Stunden nach der Ibuprofeneinnhame verabreicht werden.
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