Malaria-Wirkstoff gegen Unfruchtbarkeit?
Unfruchtbarkeit bei Frauen gehört zu den häufigsten Gründen für einen unerfüllten Kinderwunsch. Ursache kann unter anderem das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) sein. Forschende wollen nun eine mögliche neue Behandlungsoption bei durch PCOS ausgelöster Unfruchtbarkeit gefunden haben: einen bekannten Malaria-Wirkstoff.
Dihydroartemisinin (DHA) ist ein Derivat des aus der Beifußpflanze gewonnenen und in der Traditionellen Chinesischen Medizin genutzten Artemisinins und gehört zu den Malariamitteln. Der genaue Wirkmechanismus ist noch immer nicht vollständig geklärt. Angenommen wird jedoch eine durch oxidativen Stress bedingte Abtötung der Parasiten. So kommt es in Gegenwart hoher Konzentrationen von Eisenionen – wie in Malariaerregern der Fall – zur Bildung von freien Radikalen, weil die Peroxidstruktur des Wirkstoffs instabil wird.
Meist kommt DHA zusammen mit dem Wirkstoff Piperaquintetraphosphat als Kombinationspräparat (Eurartesim) zum Einsatz, und zwar zur Behandlung der unkomplizierten Plasmodium falciparum-Malaria. Auch zur Prophylaxe einer entsprechenden Erkrankung kann die Kombi eingesetzt werden. Bei Malariaerkrankungen, die durch Plasmodium vivax, Plasmodium malariae oder Plasmodium ovale ausgelöst wurden, ist die Kombi dagegen kontraindiziert.
Nun wollen Forschende eine weitere Indikation für Dihydroartemisinin entdeckt haben: PCOS. Genau soll der Malaria-Wirkstoff eine dadurch verursachte Unfruchtbarkeit bei Frauen aufheben.
Das PCOS ist eine Hormonstörung, die vor allem Frauen im gebärfähigen Alter betrifft, den Zyklus stört, zu einem ausbleibenden Eisprung und sogar zu Unfruchtbarkeit führen kann. Hinzukommt eine Überproduktion von Testosteron. Betroffen sind hierzulande bis zu 15 Prozent der Frauen. Neben einer Ernährungsumstellung und einem Gewichtsverlust wird meist mit Metformin behandelt.
Malaria-Wirkstoff gegen Unfruchtbarkeit: DHA gegen PCOS?
Ein Forscherteam aus China hat untersucht, wie sich das Artemisinin-Derivat in den Eierstöcken von Nagetieren mit Anzeichen von PCOS auswirkte. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Science veröffentlicht. Dabei zeigte sich: DHA sorgte für eine verringerte Testosteronproduktion bei den Tieren. Genau konnte die Interaktion bestimmter Proteine verstärkt werden, wodurch sich wiederum der Abbau von CYP11A1 beschleunigte. Die Folge: Die PCOS-Symptome verringerten sich.
Anschließend wurden die Untersuchungen an einer kleinen Gruppe Frauen fortgeführt, die ebenfalls an PCOS litten. Sie wurden zwölf Wochen lang täglich mit DHA behandelt. Der Malaria-Wirkstoff konnte dabei gegen die vorliegende Unfruchtbarkeit wirken. So normalisierten sich sowohl die Blutwerte der Frauen als auch ihr Menstruationszyklus.
Nun brauche es weitere umfassendere klinische Studien, die auch die Langzeitwirkung im Blick haben. „Wenn sich die positiven Ergebnisse mit Artemisinin in künftigen größeren klinischen Studien bestätigen, könnte das insbesondere für jene Frauen interessant sein, die Hormone nicht vertragen oder bei denen sie kontraindiziert sind“, heißt es von Expert:innen.
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