E-Rezept nur in der Stammapotheke; 2 von 3 Kund:innen wollen Botendienst
Datenschutzbedenken, Starttermin verschoben: Kaum ein Thema hat im letzten Jahr für so viele Diskussionen gesorgt wie das E-Rezept. Doch wie stehen die Kund:innen dazu? Fest steht: Beim Einlösen des E-Rezepts hat die Stammapotheke die Nase vorn.
Auf dem Weg zu seiner Einführung hat das E-Rezept einiges an Hin und Her hinter sich. Einen konkreten Termin für den flächendeckenden Rollout gibt es zwar immer noch nicht, dennoch werden vielerorts bereits E-Rezepte abgewickelt und die Nutzung hat sich eingependelt. Doch in vielen Apotheken war die Skepsis zunächst groß. Das E-Rezept wird die Vor-Ort-Apotheken zerstören, waren sich viele Apothekeninhaber:innen in einer aposcope-Umfrage im Frühjahr 2021 sicher.
Geht es nach den Kund:innen, ist diese Sorge unbegründet. Denn der Großteil setzt in puncto Einlösung auf die Stammapotheke. Das ist das Ergebnis im „Meinungsbarometer E-Rezept – Wie das E-Rezept den Apothekenmarkt verändert“ der Steuer- und Wirtschaftsberatung ETL Advision. Dafür wurden in Kooperation mit dem Meinungs- und Marktforschungsinstitut Civey rund 7.500 Personen zu ihren Bedürfnissen in puncto E-Rezept, aber auch zu anderen apothekenrelevanten Themen befragt. So zeigt sich: Zwei Drittel der Bürger:innen sprechen sich für den Botendienst in der Apotheke aus.
E-Rezept: Kund:innen setzen auf Stammapotheke
Der Reihe nach. In Sachen E-Rezept steht knapp die Hälfte der Befragten der Einführung positiv gegenüber. Denn das E-Rezept kann in Kombination mit der elektronischen Patientenakte, die bis 2025 per Opt-out-Verfahren eingeführt werden soll, vor allem Papier und Zeit sparen sowie die Dokumentation vereinfachen. Dabei zeigen sich auch regionale Unterschiede. Die größte Zustimmung für die elektronischen Verordnungen gibt es in den Bundesländern Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Für die Einlösung des E-Rezepts vertraut der Großteil auf die Stammapotheke.
Die Kehrseite der Medaille: Fast jede/r Vierte steht dem E-Rezept negativ gegenüber. Mehr noch: An vielen Bürger:innen geht dieses sogar komplett vorbei. „Das E-Rezept kommt und keiner bekommt es mit“ heißt es daher in der Umfrage. Denn: 61 Prozent der Teilnehmer:innen führen sich rund um das E-Rezept schlecht informiert. Es besteht also Nachholbedarf.
Botendienst, pDL und Co. Kund:innen wollen weitere Apothekenleistungen
Bleibt die Frage, welche weiteren Leistungen und Services sich Kund:innen neben dem E-Rezept noch von Apotheken wünschen. Dabei hat der Botendienst klar die Nase vorn. Zwei von drei Befragten können sich vorstellen, den Lieferservice einer Apotheke zu nutzen. Auch die Inanspruchnahme von Impfungen in der Apotheke (39 Prozent) ist für viele Teilnehmende denkbar. Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) wie die Erweiterte Medikationsberatung und Risikoerfassung Bluthochdruck spielen ebenfalls für mehr als jede/n Dritten beziehungsweise Vierte/n eine Rolle. Ein Fünftel wünscht sich zudem eine Beratung am Telefon.
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