VIOLIND: Pflasterbox und Spezial-„Rezept“ als Code bei häuslicher Gewalt
Apothekenteams haben in der Corona-Pandemie einen besonderen Stellenwert. Das gilt auch beim Kampf gegen häusliche Gewalt. Um Betroffenen Hilfe zu ermöglichen, haben die Thüringer Apothekerkammer (LAKT) und Frauenhäuser aus dem Bundesland die Initiative VIOLIND gestartet. Dabei geht es um mehr als ein Codewort.
Auch wenn der letzte Lockdown inzwischen schon einige Monate zurückliegt, bringt die anhaltende Pandemie weiterhin Einschränkungen mit sich und bedeutet für viele Menschen einen zusätzlichen Stressfaktor. Kein Wunder, dass ein ohnehin schon bestehendes Problem noch einmal deutlich verschärft wurde und wird: häusliche Gewalt. Und hier kommen Apotheken als wichtige Anlaufstelle ins Spiel. Mit VIOLIND haben die LAKT und Thüringer Frauenhäuser ein gemeinsames Hilfsangebot bei häuslicher Gewalt gestartet. Denn während Frauenhäuser meist im „Verborgenen“ arbeiten würden, sind Apotheken „eine weithin sichtbare, leicht zugängliche Anlaufstelle, ein überall erreichbarer Ort, wo Vertraulichkeit und Diskretion erlebbar sind. Auf dieser Vertrauensbasis ist der erste Schritt leichter“, heißt es von der LAKT. Und so funktioniert das Prinzip:
Zunächst einmal wenden sich Hilfesuchende an die Apotheke. Denn „ein Apothekenbesuch ist alltäglich – und damit unverdächtig“, betont die Initiative. Dafür kann der Begriff VIOLIND – eine Kombination aus dem englischen Wort „violence“ (Gewalt) und dem Wort „lindern“ – in teilnehmenden Apotheken als Codewort verwendet werden, um dem/der Mitarbeiter:in den Wunsch nach Hilfe zu signalisieren. Betroffene können anschließend in einen separaten Beratungsraum der Apotheke geführt werden, um ihnen Informationen zu Hilfsangeboten und Kontaktdaten von Beratungsstellen zu liefern oder direkt Kontakt zu einem teilnehmenden Frauenhaus aufzunehmen. VIOLIND verbindet also die Kompetenz der Apotheke als erste Anlaufstelle mit der langfristigen Unterstützung durch Expert:innen. „Die Apotheke behandelt Dein Anliegen jederzeit vollkommen vertraulich. Sie geht nur die Schritte, die Du bereit bist zu gehen“, heißt es zum Vorgehen.
Wenden sich Betroffene erstmals an eine teilnehmende Apotheke – zu erkennen durch ein entsprechendes Zeichen an der Eingangstür –, erhalten sie außerdem auf Wunsch eine spezielle Pflasterbox mit als Packungsbeilage getarnten Informationen, Anlaufstellen und einem VIOLIND-„Rezept“. Dieses ähnelt einer regulären Verordnung und kann anstelle des Codeworts lautlos vorgelegt werden.
Neben der schnellen und effektiven Unterstützung für Betroffene hat die Initiative ein weiteres wichtiges Anliegen: „VIOLIND ist ein Zeichen der Hoffnung und eine Warnung an die Täter: Wir sehen nicht weg.“
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